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Maulbeerkrieg

Die Amtsmänner Ursinus & der Ummendorfer Maulbeerkrieg

 

Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert, nämlich genau 56 Jahre, standen die Amtmänner Ursinus - Vater und Sohn (letzterer nur von 1808 bis 1811; allerdings erster Gemeindevorsteher, sogenannter Maire, des Dorfes) - als Domänenpächter der hiesigen Burg im Dienste des Landesherren.

 

Über die Personen selbst ist bisher recht wenig bekannt. Um so mehr sind die Ereignisse in den Jahren von 1755 bis 1811 beredtes Zeugnis ihres Wirkens. Der heute noch vorhandene Pavillon (Foto) im Südwestteil der Außenanlage geht auf Ursinus (Vater) zurück. Er ließ ihn auf einem der Fundamente der gotischen Ecktürme errichten. Im Inneren entstand, nach dem Vorbild des Freundschaftstempels des Dichters Gleim in Halberstadt, eine Galerie von schöngeistigen Männern und Frauen der Zeit.

 

Pavillon

 

Ummendorger Maulbeerkrieg

Wohl am spektakulärsten nahm sich allerdings der "Ummendorfer Maulbeerkrieg" aus. Diesem einige Jahrzehnte währenden Zeitabschnitt der Ortsgeschichte wird bis in die Gegenwart durch die Siedlungsbezeichnung "Maulbeergarten" Rechnung getragen. Der eigentliche Hintergrund der bemerkenswerten Begebenheit reicht in das Jahr 1767 zurück. Als Resultat einer einschlägigen Verordnung Friedrich II. für das Magdeburger Land, die Seidenraupenzucht im preußischen Gebiet mit Nachdruck durchzusetzen, kam es dazu, daß dem Amtmann Ursinus 22 Familien zur Ansiedlung und Anlage einer Maulbeerplantage zugewiesen wurden.

 

Erste Versuche Deutschlands im ausgehenden 16. Jahrhundert und umfangreiche Bemühungen im 17. Jahrhundert hatten im Hinblick auf die Seidenraupenzucht nicht die gewünschten Erfolge gebracht. In friderizianischer Zeit wurden nun weiträumige und gesetzlich festgeschriebene Unternehmungen in Angriff genommen. Und wenn man zeitgenössischen statistischen Angaben Glauben schenken darf, belief sich der Ertrag an reiner Seide in den Provinzen Magdeburg, Halberstadt, Brandenburg und Pommern im Jahre 1774 auf 6849 Pfund. Doch es gab unübersehbare Probleme. Auch eintretende Mißerfolge, nicht zuletzt durch die strengen schneereichen Winter hervorgerufen, konnten die Domänenverwaltung in Magdeburg nicht dazu bewegen von der erlassenen Verordnung abzurücken.

 

Immer neue Versuche wurden angeordnet, die erneut gleiche Fehlschläge zeigten. Es entbrannten heftige Meinungsverschiedenheiten zwischen Ursinus und den Seidenraupenzüchtern einerseits und der Regierung in Magdeburg andererseits. Dieser zwar ohne Waffen aber mit heftigen Wortgefechten geführte "Maulbeerkrieg", der durch das destruktive Verhalten der heimischen Bevölkerung gefördert wurde, währte von 1767 bis 1803. In diesem Jahr stellte man endlich die Versuche ein und gab den "Maulbeergarten" zum Wiederaufbau der im Jahre 1794 abgebrannten Gehöfte in der "Alten Straße" frei.

 

von S.Vogel

 

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