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Neu Ummendorf - Kleine Siedlung im historischen Umfeld        

 

In reizvoller Landschaft, umgeben von purer Natur, schmiegt sich die Siedlung von Neu Ummendorf entlang des alten Heerweges auf einem flachen Hügelzug von Ost nach West. Diese alte Route führte bereits über Jahrhunderte Händler und Krieger zu ihren auserkorenen Zielen. Vorbei am großen Selschen See mit seinen späteren Sumpf- und Morastlöchern.

 

Unser Neu-Ummendorf verdankt seine Existenz der damaligen preußischen Landarbeiterpolitik, in deren Folge hier mit ersten Ansiedlungen von Bauern im Jahr 1913 begonnen wurde. Erst 1919 konnte, durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, wieder mit dem weiteren Aufbau von Bauernhöfen begonnen werden.
Die bis dahin schlechten Wegeverhältnisse besserten sich erst mit dem Ausbau der Straße nach Ummendorf im Jahre 1925. In Richtung Osten, zur Hakenstedter Chaussee hin, kam es erst im Jahre 1934 zum Ausbau. So ist der Ort seit dem über zwei Zufahrten gut erreichbar. In direkter Nachbarschaft von Neu Ummendorf findet man die bedeutende Wüstung der ehemaligen Siedlung Selschen. Dieser Ort war auch der Namensgeber für das gleichnamige Selsche Bruch, das sich zu Füßen von Neu Ummendorf erstreckt. Heute noch erinnert ein großer Gedenkstein aus Granit an die Wüstung Selschen. Dieses Monument ist auf Veranlassung des  Tierarztes und Historikers Dr. Albert Hansen aufgestellt worden. An der Abzweigung zum Bruchweg hat er seinen ehrenvollen Platz gefunden. 

 Vom kleinen Höhenrücken aus, auf dem der alte Heerweg entlangführt, ist die Bruchland-schaft mit ihrer ganzen Ausdehnung stets für alle Naturliebhaber eine besondere Augenweide.
Zu jeder Jahreszeit schmückt sich das Bruch mit allem, was die Natur aufzubieten hat. Im Frühling erwacht das Bruch immer wieder zu neuem Leben. Viele Zugvögel aus nördlichen Regionen legen auf ihrem Weg in den Süden hier im    Feuchtgebiet eine kurze Pause ein. Einige nutzen sogar die Möglichkeit  an Ort und Stelle ihren eigenen Nachwuchs   aufzuziehen. Neben unterschiedlichen Singvögeln und Greifen finden auch Wildgänse, Wildenten, Grau- und Fischreiher sowie Schwäne immer einen ruhigen Rastplatz vor. Sogar der scheue Kranich soll bereits als Gast seine Erkundigung in diesem Gebiet eingeholt haben.

Nach warmen Sommertagen legen sich morgens graue, geheimnisvolle Schleier aus dichten Nebelschwaden über die kühle, großflächige Wiesenlandschaft. Schnell erinnert man sich daran, daß hier einst ein großer See die gesamte Fläche des Selschen Bruches bedeckte. Mit ein wenig Phantasie fahren Fischer mit schaukelnden Kähnen über den großen See und werfen ihre selbstgestrickten Fangnetze aus. Gleich dazu gesellt sich die Erinnerung an die Sage zur untergegangen Stadt Sela und der versunkenen Glocke. Nicht weit entfernt befindet sich der Glockenborn (Klockenborn). Es handelt sich dabei um eine nicht versiegende Quelle am südlichen Hang des Bruches.  Quellen wurden in den Fehdezeiten des Mittelalters oft  als Versteck für Glocken des bedrohten Ortes benutzt.  So findet auch die Sage zur versunkenen Glocke, die eine im Morast wühlende Sau entdeckt hat, ihre Erklärung. Spätestens durch den markanten Ruf des Kuckucks wird uns bewusst, dass der Sommer nun endlich angekommen ist. Hämmernde Spechte im Gehölz und stolz am blauen Himmel ihre Kreise ziehende Greife, komplettieren das sommerliche Bild des Bruches. 

Eine beeindruckende Farbenpracht bietet das Bruch jährlich immer wieder im Herbst. Das Auge des Betrachters wird mit einem zauberhaften Farbspektakel verwöhnt. Im diffusen Licht der untergehenden Sonne ergeben sich im Zusammenspiel mit herbstlichen Farbtönen der Bäume und Sträucher jedes Mal neue und interessante Motive. Dem aufmerksamen Wanderer fallen bestimmt auch  beim Streifzug durch das Bruch immer wieder Reste von Schneckenhäusern auf, die dank der fleißigen Maulwürfe aus einer längst vergangenen Zeit ans Tageslicht befördert werden.

 

Sobald der Winter Einzug gehalten und Schnee das Bruch märchenhaft bedeckt hat, ist vom bunten Treiben der grünen Jahreszeit nicht mehr viel zu spüren. Hier und da ziehen Rehe in größeren Gruppen auf Nahrungssuche über die bestellten Felder. Eher selten lassen sich die eingebürgerten putzigen Waschbären bei ihrer Nahrungssuche beobachten. Einzelne Schwanenpaare, bei der Jagd nach Verpflegung, verlieren sich im Weit der schneebedeckten Bruchlandschaft. Nur spärlich sind die einstmals so häufig anzutreffenden  Hasen zu entdecken, die hoppelnd über die Äcker hasten. Ein hungriger Fuchs, der gerade seinen Speiseplan mit ein paar Mäusen bereichern will, ist beim Fang der kleinen Nager zu beobachten. Immer wieder herrlich, dieses Seelsche Bruch – zu jeder Jahreszeit, und das Beste:  Neu Ummendorf verfügt dabei über einen Logenplatz

 

Dabei gab es hier einmal, in den Fehdezeiten des Mittelalters, schlimme kriegerische Konflikte, die von den Herrscherhäusern der Umgebung ausgetragen worden sind. Zeuge dieser Zeit ist der im 15. Jahrhundert angelegte Landgraben am westlichen Rand von Neu Ummendorf. Er erreichte eine Ausdehnung von über 2 Kilometern in nord- südlicher Richtung. Abbruchreste der damals schon verwaisten Siedlung Selschen fanden bei der  Verbauung des Landgrabens noch ihre zweckgebundene Verwendung.  Mit der Veränderung der Herrschaftszonen hat der Landgraben seine schützende Bedeutung verloren. In einigen alten Landkarten findet sich aber heute noch sein ehemaliger Verlauf wieder.

 

Zum Glück sind die kriegerischen Zeiten der Vergangenheit längst überwunden. Die Bedrohungen unserer Tage kommen nicht mehr in einer Ritterrüstung daher, sie nähern sich nun schleichend und manchmal unsichtbar. Schadstoffe in Böden und der Luft, Umweltverschmutzung, Plastikmüll – dies alles bedroht unsere Umwelt und damit auch den Lebensraum in unserem idyllischen Selschen Bruch. Es bleibt zu hoffen, daß unsere Kinder und Enkel den Reiz der Naturlandschaft noch in Jahrzehnten geniessen können und die Neu Ummendorf Bürger auf Dauer unbeschadet weiterhin von ihrem kleinen Berghang den Blick in eine einmalige Naturlandschaft mit einer interessanten Historie geniessen können.