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Andreas von Meyendorff

Die Ummendorfer Geschichte ist eng mit dem Wirken dieses Mannes verbunden. Von 1545 bis 1583 war er der Lehnsinhaber der hiesigen Burg. Seine Bautätigkeit hinterließ uns heute noch sichtbare Zeugnisse in Kirche (Erneuerung und Erweiterung 1556 -1566) und Burg (1576 Aufstockung des romanischen Wohnturmes um das acht-eckige Geschoß, Neubau des Renaissanceschlosses 1535 bis 1581).

 

Auch der Bau des Hospitals in Eilsleben (1554) geht auf Andreas I. v. M. zurück. Die Zinsen aus seiner Stiftung sicherten über mehrere Jahrhunderte den Insassen des Hospitals Nahrung und Kleidung. Ein Markstein anderer Art war die von ihm 1564 gegründete Küsterschule. Von nun an wurde der Schulbesuch für alle Jungen Ummendorfs zur Pflicht erklärt - allerdings kostenlos.

 

Hospital in Eilsleben

 

Lebensgeschichte

Wer war nun dieser Mann, dessen reformatorischen Bestrebungen den ersten evangelischen Pfarrer und bedeutende Geistesgelehrte nach Ummendorf führten? Andreas I. v. M. wurde 1522 geboren und entstammte einem alten Adelsgeschlecht, welches in mehreren Linien existierte - einer holsteinischen, einer magdeburgischen und einer baltischen. 10 Jahre nach den Unruhen des Bauernkrieges erhielten der Vater und der Onkel Andreas I. v. M. die Burg als Lehen.

 

Der Onkel, Georg von Meyendorff, war als Domherr zu Magdeburg ein strenger Verfechter des Katholizismus. Andreas I. v. M. studierte auf der Hohen Schule in Leipzig die Rechte, Geschichte und Theologie. Aus dieser Zeit stammten auch die Beziehungen zu den geistigen und geistlichen Strömungen im kur-sächsischen Raum. 1545 wurde Andreas I. v. M. Ummendorfer Burg-herr. Damit gehörte, neben der Verwaltung der Burg, die Rechtsprechung in den Dörfern Ummendorf, Eilsleben und Ovelgünne zu seinen Obliegenheiten.

 

Politik im 16. Jahrhundert

Und wie gestaltete sich die politische Lage? Die Reformation hatte in den zwanziger Jahren rasche Ausbreitung in Deutschland finden können, da ihr die reichliche Unterstützung der deutschen Fürsten als sicher galt. Diese Entwicklung wurde durch die Schwächung der zentralen kaiserlichen Gewalt begünstigt. Ein Spanier aus dem Hause Habsburg, Karl V., war seit 1519 deutscher Kaiser. Seine Krönung hatte Frankreich gereizt. Als Folge kam es zu immer neuen Kriegen mit Frankreich. Gleichzeitig drangen die Türken über den Balkan vor. 1529 standen sie vor den Toren Wiens. Erst nachdem diese äußeren Kriege überstanden waren, ging der Kaiser mit militärischer Macht gegen die Reformation vor.

 

Vertreibung der Protestanten

1546 wurde der Bund der protestantischen Fürsten im Schmalkaldischen Krieg geschlagen. Eine protestantische Stadt nach der anderen fiel. Die protestantischen Prediger, die eine einstweilige kaiserliche Verfügung (Interim) nicht anerkannten, flohen oder wurden vertrieben. Magdeburg entwickelte sich zum Sammelbecken für diese Vertriebenen. 1552, nach einjähriger Belagerung, ergab sich die Stadt. Sie mußte zwar 100 000 Gulden für Ersatzansprüche aufbringen, hatte aber Aufhebung der Reichsacht, kaiserliche Begnadigung der Besatzung und Bürgerschaft, Bestätigung ihrer Privilegien und freie Religionsübung abgetrotzt.

 

1. Evangelischer Pfarrer

1553, also nur ein Jahr nach dem Kampf der Stadt Magdeburg, berief Andreas I. v. M. als ersten evangelischen Pfarrer Wolfgang Kropf aus Wittenberg nach Ummendorf. Ende der vierziger, Anfang der fünfziger Jahre hatte Andreas I. v. M. Kontakte zu verschiedenen Theologen, die im heiß umkämpften Magdeburg tätig waren und des öfteren in Ummendorf weilten. Genannt sei hier vor allem Mathias Flacius lllyricus, welcher der Wortführer der Magdeburger Streittheologen war.

 

Asyl in Ummendorf

In den Jahren 1573/74 gewährte Andreas I. v. M. zwei Theologieprofessoren aus Jena - T. Hesshusius und J. Wigand - Asyl in Ummendorf. Hesshusius führte der Weg bereits 1574 auf den Bischofsstuhl von Samland in Ostpreußen. Er weihte 1575 J. Wigand in Königsberg zum Bischof von Pomesanien. Als Friedensstörer und Irrlehrer wurde Hesshusius 1577 abgesetzt, kehrte wieder in unsere Gegend zurück und wurde Theologieprofessor an der Universität Helmstedt. Dort starb er 1588. Johannes Wigand hingegen wurde nach der Vertreibung Hesshusius' auch noch Bischof vom Samland. Bis zu seinem Tode 1587 blieb er protestantischer Doppelbischof.

 

Martin Chemnitz & Joachim v. Alvensleben

Der maßvollste und bedeutendste Kirchenmann, mit dem Andreas I. v. M. in Verbindung stand, war Martin Chemnitz, der seit 1554 zuerst als Pfarrer und später als Superintendent in Braunschweig wirkte. Er war der Begründer der Evangelischen Landeskirche Braunschweig und einer der Mitbegründer der Universität Helmstedt. Chemnitz gilt als der bedeutendste lutherische Theologe aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Andreas I. v. M. war im geistigen und geistlichen Leben des Erzstiftes Magdeburg fest verwurzelt, galt als bibelfest, klassisch gebildet und treuer Lutheraner.

 

An der 1. Evangelischen Kirchenvisitation nahmen neben den Superintendenten von Halle/S., Calbe/S. und Magdeburg/Neustadt auch Andreas I. v. M. sowie sein Schwager Joachim v. Alvensleben teil. Joachim v. Alvensleben hatte Philosophie und Jura an den verschiedensten europäischen Universitäten studiert. Er besuchte die Schulen in Leipzig und Wittenberg, auch Padua und Paris, reiste während seiner Studienzeit durch Holland.

 

Die Zersplitterung des Protestantismus

Hatte Martin Luther in den ersten Jahrzehnten noch als geistiger Führer des Protestantismus gelten können, war nach dem Tode Luthers fast keine Einheit mehr erkennbar. Es kam zur Entstehung der verschiedenen Landeskirchen. Das Problem der Zersplitterung der evangelischen Kirche äußerte sich nicht nur in dem großen Widerspruch Luthertum - Calvinismus sondern auch durch die verschiedensten evangelischen Strömungen. Der Versuch der Einigung auf den veranstalteten Fürstentagen blieb ohne nennenswerten Erfolg.  

 

So verfaßten Andras I. v. M. und Joachim v. A. - von Theologen unterstützt - im Jahre 1563 die "Confessio", um die Streitigkeiten unter den Kirchen Augsburgischer Konfession beizulegen.

 

Dieses Werk wurde zum wichtigsten Vorläufer der "Konkordienformel". Auf Anregung des Kanzlers der Universität Tübingen J. Andreae, wurde in den siebziger Jahren erneut versucht, die evangelische Kirche zu einigen. Nach Vorarbeit von württembergischen, niedersächsischen und badischen Theologen kam es im Frühjahr 1577 zur Darlegung der Konkordienformel, dem abschließenden Bekenntnis des Luthertums. Sie war neben der Augsburger Konfession, den Schmalkaldischen Artikeln, dem Großen und Kleinen Katechismus Bestandteil des Konkordienbuches, welches 1580 erschien und von 86 Reichsständen sowie 8000 bis 9000 Theologen unterzeichnet wurde. Damit sah auch Andreas I. v. M. das Ziel seiner Bemühungen zur Schaffung eines einheitlichen Lehrwerkes erreicht.

 

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