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Ummendorfs Pfarrhaus nun in Multifunktion

Ummendorf, den 21.01.2022

Mit einem weltlichen Prosit und einem kirchlichen Amen ist am Dienstag das Multiple Haus in Ummendorf offiziell eingeweiht worden. Es ist unter dieser Marke das erste und einzige Objekt in Sachsen-Anhalt.

 

Wie multipel das einstige Pfarrhaus künftig genutzt wird, muss die Zeit erst noch zeigen. Bislang sind die Kirche mit ihrem Pfarrbüro und das Börde-Museum die einzigen Dauermietparteien. Letztere vorübergehend, solange der Umbau auf Burg Ummendorf es nötig macht. Den feierlichen Veranstaltungen in der Schauküche und dem Hauptraum schiebt die Corona-Situation aktuell noch einen Riegel vor. Momentan ist die monatliche Reihe der Ratssitzungen der Lebensfüller des Multiplen Hauses – und als erstes größeres Gesellschaftstreffen die offizielle Einweihung in dieser Woche.

Bürger noch außen vor

An dieser wollte die Gemeinde wie geplant festhalten – mit dem Nachteil, „dass die Bürger davon leider ausgeschlossen werden mussten“, wie Bürgermeister Reinhard Falke bedauerte und zugleich ankündigte: „Wir werden im Sommer einen Tag der offenen Tür veranstalten. Spätestens dann können sich alle selbst ein Bild davon machen, was hier entstanden ist.“

So war es am Dienstagnachmittag nur knapp 30 geladenen Gästen vorbehalten, den finalen Akt in Ummendorfs Prestige- und Modellprojekt mitzuerleben, das den Beteiligten seit Beginn der heißen Phase (2018) nicht nur knapp eine Million Euro, sondern auch einiges an Nerven kostete. Doch wie bei einer Geburt waren all der Schmerz und all die Belastung zu diesem Anlass nun nahezu komplett vergessen, stand das Ergebnis, nicht der Weg, im Vordergrund.

Kritik nur unterschwellig

Im Gegensatz insbesondere zur letzten Bauphase vor Jahresfrist stimmte Reinhard Falke diesmal vornehmlich harmonische Töne an, ging dabei noch einmal zurück zur Ideengebung, die im Jahr 2014 verortet ist und fasste zusammen: „Wir haben dem Haus neues Leben eingehaucht. Ich kann an dieser Stelle nur Danke sagen, dass es trotz aller Schwierigkeiten geklappt hat. Es ist einzigartig in Sachsen-Anhalt und nach wie vor ein Pilotprojekt.“

Dennoch auffallend ungewöhnlich für derlei Anlässe: Bei allen gezielten Dankesbekundungen ließ der Bürgermeister das Wanzleber Architektur- und Planungsbüro außen vor. Wohl nicht ganz versehentlich. Nach etlichen Verzögerungen hatte Falke im März 2021 geäußert: „Unterm Strich bin ich mit dem Vorgehen von Planer und Firmen nicht zufrieden.“ Am Dienstag wählte er den diplomatischeren Weg der Kritik und merkte an: „Es war eine schwere Geburt. Es gab Projekte in meiner nun über 25-jährigen Amtszeit mit dem dreifachen Volumen, die wesentlich schneller gingen.“

Auf 910 000 Euro bezifferte Falke die Gesamtkosten. Zweimal habe man dafür aus Zuschussprogrammen die Maximalförderung von je 350 000 Euro erhalten. „Diese Mittel zu akquirieren, ist schon immer ein Kraftakt“, kommentierte er, „und der entsprechende Eigenanteil ist für so eine kleine Gemeinde wie Ummendorf ebenfalls nicht einfach zu stemmen. Dazu benötigt es zunächst auch den politischen Willen.“

Schulterschluss zwischen Kirche und Gemeinde

Letztlich aber hätten – allen voran politische und kirchliche Gemeinde Hand in Hand – alle an einem Strang gezogen. Ummendorfs Kirchenratsvorsitzender Erhard Pötzsch umschrieb es so: „Außenstehende können wahrscheinlich kaum einschätzen, wieviel Engagement aller Beteiligten hier drin steckt. Wir als Kirche hätten das Haus auf Dauer nicht halten können. Daraus ist etwas Besonderes gewachsen, nämlich die recht seltene und von staatlichen wie kirchlichen Behörden meist recht kritisch beäugte Zusammenarbeit von politischer und kirchlicher Gemeinde. Womit wir im Grunde aber nur die Ummendorfer Historie fortgesetzt haben, denn es gibt dafür im Ort mehrere Beispiele, bei denen es ebenso funktioniert hat.“ Aus Sicht der Kirchengemeinde sei von Anfang nur eines entscheidend gewesen: „Eine Einrichtung für die Bürger vorhalten, egal wer im Grundbuch steht.“

Landrat Martin Stichnoth konstatierte in seinem Grußwort: „Ich habe das Vorhaben hier wachsen und gedeihen gesehen, nachdem mir Reinhard Falke am Rande einer Geflügelschau vor Jahren mal gezeigt hat, was die Gemeinde hier plant. Solche Projekte brauchen lokale Akteure, die sich dahinterklemmen und sie auch realisieren. Das ist hier in Ummendorf einmal mehr eindrucksvoll gelungen.“ Ähnlich äußerte sich Matthias Porzelle, Superintendent des Evangelischen Krichenkreises Egeln: „Wir gratulieren zu diesem besonderen Haus. Es hat Wellen geschlagen, die viele erreicht haben.“

 

Mit einem gemeinsamen Gebet im Versammlungs- und Veranstaltungsraum wurde das ehemalige Pfarrhaus seiner neuen Funktion als soziokulturelles Dorfzentrum überantwortet. Die evangelische Kirche nutzt einen der Räume weiterhin als Büro. 

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme

 

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