Besucher:   109913
 
Newsletter
Unser Newsletter versorgt Sie mit aktuellen Neuigkeiten aus der Region. E-Mail eintragen und kostenlos abonnieren.

Sachsen-Anhalt

 

Landkreis Börde

 

 

20 Jahre Deutsche Einheit

 

magdeburger-boerde.de

 

Sachsen-Anhalt ABC

 

 

 

Schlachter Krömmling legt das Messer weg

Ummendorf, den 17.11.2018

Schlachten als Hand- und Hauswerk hat Hans Eckhard Krömmling sein Leben lang beherrscht. Mit 80 Jahren hört der Ummendorfer jetzt auf.

 

Es passiert nur noch höchst selten, dass Hans Eckhard Krömmling aus Ummendorf in seiner Küche den Wetzstahl zur Hand nimmt und dem ohnehin schon scharfen Fleischermesser einen Feinschliff verpasst. Nachdem er im vergangenen Jahr das letzte Mal ein Schwein zerlegt hat, braucht er die Klinge kaum noch. Doch irgendwie liebt er dieses für einen Hausschlächter so wichtige Werkzeug.

Nach 60 Jahren Hausschlachtung geht Hans Eckhard Krömmling als Letzter seiner Zunft in Ummendorf in den Ruhestand. Wird auch Zeit, denkt er sich, denn am morgigen Sonntag will er seinen 80. Geburtstag feiern. Auch ein Anlass, zurückzuschauen auf die Jahre, in denen er ganze Berge von Fleisch, Wurst oder Gehacktem in die Kessel und Mollen brachte.

Der gelernte Fleischer, der seit 1952 drei Jahre beim Meister Walter Hecht in der Wefensleber Knickmühlenstraße in die Lehre gegangen war, kann aber auch mit der Maurerkelle fachmännisch umgehen. „Mein Vater hatte gemeint, Fleischer sei kein Beruf mit Zukunft, du musst am besten auch noch Maurer werden“, erzählt er, „und so machte ich einen zweiten Gesellenbrief bei Münchmeyer in Eilsleben.“

Das war in der Tat eine gute Entscheidung, von der er im Leben profitierte. Denn wenn die Maurer im Winter wenig Beschäftigung fanden, wetzte er wieder die Messer und machte Wurst. „Weil ich das als selbständiger Gewerbetreibender machte, musste ich auch eine Gewerbekarte von der Handwerkskammer des Bezirkes Magdeburg vorweisen können“, erinnert er sich.

Den guten Ruf verdient

Damals war er 19 Jahre alt und hatte es nicht einfach, einen erforderlichen Kundenkreis zu finden. „Zu der Zeit gab es in Ummendorf zwölf Fleischer, da musste man erst einmal durch gute Arbeit einen gut Ruf erlangen. Nicht alle hatten einen Gewerbeschein, manche arbeiteten auch schwarz.“

Krömmling war bald ein Name, der für Qualität stand. Besonders geschätzt war damals seine schwarze Leberwurst, später kamen Brat- und Schmorwurst dazu. Es gab dann auch reichlich zu tun, denn wer konnte, hielt sich mindestens ein Schwein. „Es wurden in den Jahren vor 1960 in Ummendorf 400 bis 500 Schweine im Jahr geschlachtet“, erzählt Hans Eckhard Krömmling.

Sicher wird er an seinem Geburtstag morgen auch an seine Hochzeit denken, denn die war von einem besonderen Ereignis begleitet gewesen. „Am Tag nach unserer Hochzeit im Januar wollte ich in Ummendorf schlachten. Der Auftraggeber und seine Helfer sollten aber schon einen Tag vorher mit dem Pferdewagen die Maschinen und Geräte aus Wormsdorf holen. Sie kamen in Ummendorf gerade an, als wir zur Trauung gingen. Doch die Pferde gingen durch und Bratwurstmaschine, Abzugsapparat und weitere Schlachtutensilien landeten auf der Straße. Aber alles konnte unbeschädigt geborgen werden, der Hochzeit stand nichts mehr im Wege“, berichtet er über diesen Tag.

Veränderte Verarbeitung

Schlachtung war nicht einfach Schlachtung. Der Jubilar schildert eine spezielle Entwicklung. In den ersten Jahren hätte man neben der Wurst auch die verschiedensten Fleischteile geräuchert, weil es keine Därme gab. „Da wurden von einem Schwein etwa 30 Bratwürste produziert, später, als es auch schon Kunstdärme gab, verdoppelte sich der Wurstanteil. Für uns wurde dadurch allerdings der Schlachtetag wesentlich länger.“

Ab 1970 war der Ummendorfer Mitglied in der LPG Wefensleben. Da hatte er als versierter Hausschlächter oft eine Sonderposition. Wenn andere LPG-Mitglieder schlachten wollten, bekam er frei, um das erledigen zu können. Für Volksfeste in Wefensleben habe er da schon mal vier bis fünf Schweine auch im Sommer geschlachtet.

Von der Schlachterei völlig abschalten konnte Hans Eckhard Krömmling beim Fußball. Bis zu einem Unfall stand er lange als Spieler auf dem Platz, später lief er zwölf Jahre lang in Schwarz auf und leitete als Schiedsrichter Spiele bis zur Bezirksklasse. Außerdem brachte sich für diesen Sport als Vorsitzender der Sektion Fußball in Ummendorf ein.

Seine Liebe zum Fleischerberuf wollte Krömmling gern an den Sohn weitergeben, aber der hatte es mehr mit Metall zu tun. Doch bei seinem Enkel Steven konnte er das Interesse wecken, nahm ihn schon als Kind mit zu Schlachteterminen. Steven wurde auch Fleischer. Der Gedanke seines Uropas zu diesem Beruf hatte sich bei ihm allerdings dann auch verwirklicht: „Kein Beruf mit Zukunft.“ Steven fand einen Job in der Autobranche.

Hans Eckhard Krömmling hat mit seinen Maurerkenntnissen in den vergangenen Jahren sein Grundstück auf der Scholle sehenswert hergerichtet, sein Handicap ist ein künstliches Kniegelenk. Doch in der Küche steht der Witwer noch gut seinen Mann. „Ein Fleischer hat auch etwas Ahnung vom Kochen, die Roulade und das Schnitzel gelingen gut, die Suppen sowieso“, sagt er schmunzelnd und wetzt für ein Foto noch einmal das Messer.

 

Foto: Der Ummendorfer Hans Eckhard Krömmling wetzt in seiner Küche nur noch selten das Messer.

 

Text und Foto: Hartmut Beyer - Volksstimme

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Schlachter Krömmling legt das Messer weg