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Ganz in Weiß beim Kaffeeklatsch

Ummendorf, den 25.02.2017

Der Trachten- und Brauchtumsverein Ummendorf hat sich dem Thema Hochzeit gewidmet. Dazu warfen sich die Mitglieder in Schale.

 

Schon die Vereinsmitglieder selbst hatten enorme Mühen in die Vorbereitung dieses ersten Jahreshöhepunkts gesteckt. „Vor allem wir Frauen sprühten angesichts des Hochzeitsmottos vor Ideen, wie man den Nachmittag gestalten könnte“, berichtet Sigrid Prier. „Und natürlich wollten wir den Gästen im Laufe der Veranstaltung auch die eine oder andere Überraschung kredenzen. So gehört sich das ja bei einer Hochzeitsfeier.“

So staunte die große Kaffeeklatschrunde im Sporthaus nicht schlecht, als Vorsitzende Kerstin Blume nach der Begrüßung Schmankerl Nummer eins enthüllte: eine dreistöckige verzierte Cremetorte – eine Kreation, die anzuschneiden und zu vertilgen es fast zu schade war. Marion Bank griff aber natürlich dennoch zum Messer. Sie hatte das süße Kunstwerk geschaffen, und so übernahm die Hobbykonditorin auch die fachgerechte Zerteilung und Verteilung an die Gäste. Obendrein hatten die Vereinsfrauen so genannten Polterkuchen gebacken (Zucker- und Streuselkuchen sowie Bienenstich), womit das Hochzeitskaffeegelage vollkommen war.

Brautkleid war früher schwarz

Ehe sich dann die Anwesenden an der von Kerstin Blume schon avisierten Brautmodenschau ergötzen konnten, war es an Ehrenmitglied Eva Brandt, einen amüsanten wie interessanten Mundartblick zurück in die Historie des Heiratens zu werfen. Die Oschersleber Plattautorin sprach über regionale Bräuche und würzte ihre Ausführungen mit heiteren Geschichten aus ihrem reichen Erfahrungsschatz.

Lange Zeit, legte Brandt etwa dar, war das Brautkleid in der Farbe schwarz gehalten und wurde nach der Hochzeit weiterhin zu festlichen Anlässen getragen. Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts sei Weiß als Symbol für Unschuld und Liebe in Mode gekommen.

So eingestimmt war die Spannung auf den nächsten Höhepunkt groß. Wer ist die Braut, die sich traut? Der Verein hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, das eigene Kleid für diesen Nachmittag nochmals anzulegen. Bärbel Krömmling war eine der Frauen, die sich nicht zweimal bitten ließen. Und in der Tat, das Brautkleid von 1964 passt noch immer. Ebenso wie die komplette Brautausstattung von Irmtraud Bode aus dem Jahr 1976.

13 Kleider bei Modenschau gezeigt

Komplettiert wurde der Brautreigen mit der Modenschau. Dafür hatte Vereinsmitglied Gundula Erben sowohl 13 Kleider aus verschiedenen Jahrzehnten organisiert – das älteste von 1957 – als auch einige junge Frauen, die die weiße Pracht vorführten. „Einige der Models sind noch nicht verheiratet, hatten aber keine Probleme damit, sich trotz des verbreiteten Aberglaubens, dass man nur zur eigenen Hochzeit ein Brautkleid tragen soll, sich als Brautmodel zu zeigen“, bedankte sich Sigrid Prier für die Teilhabe. „Sie strahlten dann auch über beide Ohren und hatten sichtlich Spaß an der Vorführung.“

Auch die Männer bewiesen Traute. „Wir konnten zwei Herren im originalen Hochzeitsanzug begrüßen“, so Prier. Hans Brandt schlug elegant wie 1957 an der Seite seiner Eva auf. Günter Berger gefiel mit Zweireiher und Zylinder aus dem Jahr 1967.

Ausstellungsstücke zur Hochzeit

Auf den Auslagentischen fand sich eine Fülle an Hochzeitszeitungen, Tischkarten, Einladungen und Menüfolgen, dazu, reichlich Hochzeitsfotos, die aufmerksam betrachtet wurden. Und weil sich auch die Kaffeegäste auf das Motto vorbereitet hatten und vergnügliche Einlagen einstreuten, verging die Zeit wie im Fluge. Helma Erben aus Seehausen rezitierte einen Spruch, der zu früheren Zeiten traditionell am Polterabend aufgesagt wurde, und trug den mit dazu überreichten Rosenkranz bis in den Abend hinein. Der Wormsdorfer Helmut Schwitzer erinnerte an seine Kindertage und seine Teilnahme an einer Hochzeit. Dort brachte er, ausstaffiert als Schornsteinfeger, dem Brautpaar seine Glückwünsche in Versform dar. Wilfried Duwald aus Ummendorf hatte wieder zahlreiche Ausstellungstücke aus seinem Familienmuseum mitgebracht und erzählte dazu die entsprechenden Geschichten.

„Noch vieles mehr haben wir an Bräuchen und Ritualen aufleben lassen“, sagt Sigrid Prier. „Vor allem Eva und Hans Brandt waren so richtig in ihrem Element, so dass die 60 Gäste nach einem kurzweiligen Kaffeeklatsch gut gelaunt den Heimweg antraten.“

 

Foto: Elisabeth Blume (von links) Melanie Grube, Ulrike Ludwig und Irmtraut Bode präsentierten Brautmode, zum Teil die eigenen Kleider. In Anzügen dahinter die Bräutigam-Models Günther Berger, Frank Helmecke und Werner Prier. Foto: Sigrid Prier

 

Text: Ronny Schoof - Volksstimme