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Luther kommt mit Heringsfass ins Rollen

Ummendorf, den 17.02.2017

Beim Theatersommer in Ummendorf wird „Der Schatz im Heringsfass“ gehoben. Auf die bewährte Weise mit viel Herz und Humor.

 

Theaterautor Gunther Hirschligau hat eine unbändige Freude daran, bedeutsame Figuren der Zeitgeschichte in seinem Heimatort auftreten zu lassen. Im groß angelegten Jahr des Reformationsjubiläums war Luther die logische Wahl. Schon vor ein, zwei Jahren wusste Hirschligau, dass er 2017 ein Reformationsstück auf die Ummendorfer Burgtheaterbühne bringen würde.

„Es ist noch nicht ganz fertig, aber das wird jetzt im Februar erledigt“, erklärte der Autor unter der Woche im Gespräch mit der Volksstimme. Seine Schaffenszeit über Winter hat der 65-Jährige Pfarrer im Ruhestand aufgeteilt und zuletzt der Beendigung eines neuen Romans den Vorzug gegeben. Dieser trage den Arbeitstitel „Die Naimanenpriesterin“ und spiele sich weitläufig im 14. Jahrhundert zwischen Oschersleben, Halberstadt und der Seidenstraße ab. „Ob und wann das Buch erscheint, weiß ich noch nicht. Ich muss erst mal abwarten, was mein Verleger sagt“, so Hirschligau, „auf jeden Fall habe ich jetzt aber Luft für die neuen Theaterstücke.“ Denn auch das Wormsdorfer Pfarrhoftheater soll in diesem Jahr frisch versorgt werden. „Heute Morgen ist mir dazu auch endlich der passende Titel eingefallen. Das Stück selbst habe ich schon länger im Kopf. Im März will ich es dann schreiben.“

Anlehnung an Lutherzitat

Dem Wormsdorfer Ensemble wird von Hirschligau „Ein starker Auftritt“ beschert, in Anlehnung an das Lutherzitat „Tritt fest auf, mach‘s Maul auf, hör bald auf“. Es soll darin um Andreas Heinecke, den ersten protestantischen Pfarrer in Wormsdorf, und demzufolge auch um die Folgen der Reformation auf dem Lande gehen. Ähnlich wie bei den beiden Räuber-Rose-Inszenierungen 2013 verknüpft Hirschligau somit beide diesjährigen Stücke lose miteinander.

Anders als beim „Rosaroten Schatten“ (2016) muss Gunther Hischligau diesmal kein Geheimnis aus der titelgebenden Gestalt des Ummendorfer Schauspiels machen: „Beim Schatz im Heringsfass handelt es sich um Katharina von Bora, Luthers Ehefrau, die als Nonne mit der Hilfe Luthers und unter Nutzung von Heringsfässern aus ihrem Kloster flüchtete.“ Mit dieser Episode und der bald danach folgenden Hochzeit setze Hirschligaus Stück ein. Die Handlung entspinne sich dann parallel an mehreren Orten und über einen Zeitraum von etwas 15 Jahren hinweg.

„Vieles spielt in Wittenberg im Hause der Familie Luther, wobei ich mich – auch auf Hinweis des Theatervorstands – mehr auf das Alltagsleben als auf die großen philosophischen und theologischen Aspekte der Reformation konzentriert habe“, gibt Hischligau Einblick in die Entstehung des Stücks. „Generell war es diesmal gewissermaßen ein Problem, die komplexe Reformationsthematik auf ein Lustspiel für jedermann herunterzubrechen. Allein schon die Person Martin Luther gibt so viel her.“

Hauptrollen: Kottler und Barrabas

Nichtsdestotrotz lässt Hirschligau auch die zweite treibende Kraft der Reformation auftreten: „An Philipp Melanchthon führt in diesem Zusammenhang natürlich kein Weg vorbei. Er wird die zweite Hauptperson sein.“ Besetzt werden die Protagonisten voraussichtlich mit Thomas Kottler (Luther) und Mathias Barrabas (Melanchthon). „Zum einen kann ich mir die beiden sehr gut in diesen Rollen vorstellen, zum anderen soll nach Möglichkeit natürlich jeder aus dem 40-köpfigen Ensemble mal in einer größeren Rolle zum Zuge kommen“, sagt Hirschligau, der auch wieder die Regie führen wird. „Wir haben so viele talentierte Mitwirkende im Verein, dass es Jahr für Jahr eine echte Herausforderung ist, allen die verdiente Bühnenpräsenz zu verleihen.“

Indes werden die beiden intellektuellen Wittenberger Weggefährten im Rahmen der Geschichte nicht persönlich im Ummendorf des 16. Jahrhunderts auftauchen. Wohl jedoch die Auswirkungen und Ansichten über ihr reformatorisches Tun in der für damalige Verhältnisse recht fernen Stadt, inklusive Aberglaube , Bildungsproblematik und Nöte der Landbevölkerung. „Die Bauernkriege werden am Rande mit reinspielen und ansonsten vor allem das tiefe Aufatmen, das befreiungsartig durch die Kirche gegangen ist – alles in Verbindung mit der deftigen Art Luthers, der es ja trefflich verstand, das einfache Volk zu erreichen“, so Hirschligau.

Und weiter erklärt er: „Doch unterm Strich soll es – unter Vermeidung von Schwarz-Weiß-Malerei – einfach der Ummendorfer Beitrag zum Reformationsgedächtnis sein – wie immer vor einem realen historischen Hintergrund, vermengt mit einem Schuss Fiktion und letztlich viel Humor, wie sich das für ein volkstümliches Lustspiel eines Laienensembles gehört.“

 

Aufführungstermine im Theatersommer 2017

 

Ummendorfer Burgtheater

„Der Schatz im Heringsfass“ – ein Lustspiel zur Zeit der Reformation um 1520 bis 1535

Spielort: Ummendorfer Burghof

 

Premiere: Sonnabend, 17. Juni weitere Vorstellungen: 18. Juni,

12. August und 13. August

 

Wormsdorfer Pfarrhoftheater

„Ein starker Auftritt“ – ein Lustspiel um den ersten protestantischen Pfarrer in Wormsdorf

Spielort: Storchenhof Wormsdorf

Premiere: Sonnabend, 24. Juni

weitere Vorstellung: 25. Juni

 

Foto: Die bleiverglasten Porträts Martin Luthers und seiner Gattin Katharina von Bora schmücken ein Fenster des Eilsleber Luthersaals. Die Hochzeit der beiden hat Gunther Hirschligau in sein neues Stück eingebaut– nebst (fiktivem) Einblick in das Luthersche Familienleben.

 

Text: Ronny Schoof - Volksstimme