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Geschenkte Exponate unter Dach und Fach

Ummendorf, den 28.07.2020

In kleiner Runde hat das Börde-Museum Burg Ummendorf seine zwei neuen Großexponate eingeweiht.

 

Vor drei Wochen waren die tonnenschweren Objekte per Tieflader aus dem Brandenburgischen im Allertal angeliefert und mittels Kran in den Burggarten gehievt worden. Nun haben Pflug (Baujahr 1912) und Tender (1920) ihren exponierten Platz unter dem Schauer der Landtechnikausstellung des Börde-Museums gefunden, direkt neben den beiden Dampflokomobilen. „Es ist jetzt ein vollständiges Ensemble der früheren Feldbearbeitung“, freut sich Museumsleiterin Dr. Nadine Panteleon.

Erinnerungen an den Pfug

Zur kleinen Einweihungsfeier im Burggarten begrüßte sie als Gäste Vertreter des Landkreises, der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, der Kreissparkasse Börde, ihren Vorgänger, Dr. Thomas Ruppel und auch Hans-Jörg sowie Kurt Sauer aus der einstigen Eilsleber Eigentümerfamilie, in deren Besitz die neuen Exponate bis 1968 waren. Kurt Sauer erzählte den Anwesenden von seinen Erinnerungen an den Pflug und das Unternehmen, das der Großvater 1893 gegründet und später auch der Vater geführt hatte. „Dabei lieferte er uns einmal mehr wichtige Informationen zur Regionalgeschichte“, berichtet Nadine Panteleon.

Aus Leeds in die Börde

Mit der Enthüllung des Pflugs durch Dezernent Dirk Michelmann nahm der Landkreis Börde dann symbolisch die Schenkung der Landeswaldoberförsterei Reiersdorf (Land Brandenburg) an. In der anschließenden Festrede von Museumsmitarbeiter Uwe Schmidt wurde dann deutlich, wie selten und regional die beiden Objekte wirklich sind: „Nur neun dieser Fowlerpflüge aus England wurden überhaupt in das Werk nach Magdeburg zur Endmontage gebracht. Dieser ist wahrscheinlich der einzige noch existierende.“ Nach Recherchen wisse das Museum nun zudem, dass die Einzelteile des Pflugs am 6. Februar 1912 in Leeds gefertigt und selbiger nach der Montage in Magdeburg am 3. Mai an August Sauer ausgeliefert wurde, der mit seiner neuen Errungenschaft zunächst in der Lüneburger Heide pflügte.

„Es war für alle Beteiligten ein Kraftakt“, betonte Nadine Panteleon – und für Uwe Schmidt und Kollege Axel Schnitzer galt dies zuletzt buchstäblich, denn sie hatten sich der Aufgabe angenommen, die 1,20 Meter hohen und eine Tonne schweren Pflugschare – sie waren zum Zwecke des Transports demontiert worden – wieder an ihre Position zu bringen. „Das in nur drei Monaten bewältigte Projekt lief vollkommen problemlos ab“, führte die Museumsleiterin weiter aus. „Außerdem ist es schon etwas ganz Besonderes, dieses Kulturerbe zurück nach Sachsen-Anhalt und in die Börde zu holen.“

Als der Zucker boomte

In der Magdeburger Börde gründeten im ausgehenden 19. Jahrhundert, Zeitalter der Industrialisierung und des Zuckerbooms, zahlreiche Unternehmer Firmen oder errichteten Zweitwerke. Im Bereich der landwirtschaftlichen Technik zählte dazu auch die Firma Wolf (Magdeburg-Buckau), Hersteller des Wasserwagens, der nun ebenfalls in Ummendorf der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Klangvolle Nutzung

Eine etwas andere Perspektive auf die ackerfunktionellen Objekte lieferte Museumsmitarbeiter Ulrich Mühe, der es in der Freizeit gern mit Rhythmus nach Noten hält und die stählernen Ausstellungsstücke kurzerhand mal als Klangkörper für seine Musik verwendete. „Bei den ‚steel plough drums‘ handelte es sich zwar um eine einmalige Aktion“, kommentiert die Chefin, „die musikalisch jedoch durchaus Wiederholungswert hat.“

Das Börde-Museum ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet, darüber hinaus im Rahmen des Gartensommers Sachsen-Anhalt an den Sonntagen 16. August und 20. September, jeweils 11 bis 18 Uhr.

 

Foto: Ensemble der Feldarbeit vor hundert Jahren: Die Lokomobilen, der Kipppflug und der Wasserwagen unter dem Schauer der Landtechnikausstellung im Börde-Museum Burg Ummendorf. Uwe Schmidt

 

Text: Ronny Schoof - Volksstimme

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Geschenkte Exponate unter Dach und Fach